PROJEKT

Somalia: Medizinische Hilfe für die Ärmsten

Die Mutter-Kind-Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu rettet Kinderleben

Erschöpft schläft der kleine Omar in den Armen seiner Mutter Ifrah*. Er atmet schwer. Ifrah hat sich in aller Frühe mit Omar zu Fuß auf den Weg nach Mogadischu gemacht. Von einer Nachbarin hat sie gehört, dass sie in der Mutter-Kind-Klinik der SOS-Kinderdörfer Hilfe bekommt und dass ihr kranker Sohn hier kostenlos untersucht und behandelt wird.

 

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In der SOS-Klinik werden Mütter und ihre Kinder kostenlos behandelt. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma

Bürgerkrieg und Terror, Hunger, Armut und Krankheit bedrohen das Leben von Kindern in Somalia. Die Sterblichkeitsrate bei unter fünfjährigen Mädchen und Jungen ist hoch. Und jedes zehnte Kind in Somalia stirbt noch bevor es seinen ersten Geburtstag erlebt.

In dem Land, in dem es praktisch kein staatliches Gesundheitssystem gibt, ist die Mutter-Kind-Klinik der SOS-Kinderdörfer in der Hauptstadt Mogadischu eine Oase der Hoffnung. Hier erfahren somalische Mütter qualifizierte vor- und nachgeburtliche Betreuung. Hier werden kranke und unterernährte Kinder medizinisch versorgt. Der Zulauf ist enorm. Viele Menschen nehmen weite Fußmärsche auf sich, um sich in der Klinik der SOS-Kinderdörfer behandeln zu lassen.

So hilft die Klinik der SOS-Kinderdörfer

 

Fiebererkrankungen, Husten, Unfälle oder Verbrennungen: Täglich werden bis zu 200 kleine Patienten ambulant in der Klinik der SOS-Kinderdörfer behandelt. Der Andrang ist gewaltig. Kinder, deren Gesamtzustand kritisch ist, werden auf die Station überwiesen. Da die alte Kinderklinik ursprünglich als Schulhaus gebaut war, sind die Räume nicht optimal für die medizinische Versorgung, die Wege oft weit. Durch einen modernen Neubau kann die Hilfe optimiert und noch zielgerichteter gestaltet werden.

Untersuchung in der Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu. Foto: Mohamed Abdihakim
Tag für Tag herrscht großer Andrang: Untersuchung in der Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu. Foto: Mohamed Abdihakim

Krankheiten wie Masern können für geschwächte Kinder lebensbedrohlich sein. Deshalb gehören Impfungen gegen die Krankheit wie auch gegen Kinderlähmung zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen der Klinik. Regelmäßig werden Kinder auch mit Entwurmungstabletten versorgt.

Kind mit Mutter in der Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu, Somalia. Foto: Mohamed Abdihakim
Masern oder schwerer Durchfall: Diese Krankheiten können für Kinder lebensbedrohlich sein - dabei lassen sich sich leicht behandeln oder durch Impfungen vermeiden. Foto: Mohamed Abdihakim 

Lebensbedrohlich: Masern

Dakane und sein Team kämpfen gegen Krankheiten, die anderswo längt überwunden oder gut zu bewältigen sind. Masern zum Beispiel. Immer wieder treten Epidemien auf, ist die Isolierstation der Klinik voll belegt mit Masern-Patienten. "Ein Grund für die Ausbreitung der Masern ist neben dem schlechten Impfstatus die Mangelernährung vieler Kinder. Das Immunsystem dieser Kinder ist schlecht ausgebildet. Das macht sie besonders anfällig", erklärt Dr. Mohamed Dakane. Mit Sorge berichtet er von einem 18 Monate alten Mädchen, das an Masern erkrankt ist. Seit vier Tagen schon liegt das Kind auf der Isolierstation im Koma. "Die Masernerkrankung hat zu Komplikationen geführt. Jetzt müssen wir hoffen", sagt Dr. Dakane mit leiser Stimme.

In Somalia, wo die weibliche Genitalverstümmelung noch weit verbreitet ist, sind Geburten für Mütter wie Kinder oft höchst riskant. Die Ärzte und Hebammen in der Klinik der SOS-Kinderdörfer unterstützen bei der Geburt und bei gynäkologischen Notfällen. Der Operationssaal ist durchgehend belegt. Babys, die zu schwach sind, kommen auf die Neugeborenenstation. Monatlich werden hier etwa 60 Kinder behandelt. „Eine überlebenswichtige Hilfe für viele Babys“, sagt Dr. Mohamed Dakane.

Auf der Neugeborenen-Station werden Monat für Monat rund 60 Babys stationär behandelt. Oft sind sie bei der Geburt zu klein, zu leicht oder zu schwach. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma
Auf der Neugeborenen-Station werden Monat für Monat rund 60 Babys stationär behandelt. Oft sind sie bei der Geburt zu klein, zu leicht oder zu schwach. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma

Ein schwer krankes Kind wird in der Klinik der SOS-Kinderdörfer behandelt. Foto: Mohamed Abdihaki
Ein schwer krankes Kind wird in der Klinik der SOS-Kinderdörfer behandelt. Foto: Mohamed Abdihakin

Viele Kinder, die in der Klinik behandelt werden, sind mangelernährt. Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen haben Armut und Hunger noch verstärkt. Die Kinder sind geschwächt, in ihrer Entwicklung beeinträchtigt und ihr Immunsystem ist kaum ausgebildet. Immer wieder sterben sie deshalb an Krankheiten, die ein Kind normalerweise leicht übersteht, zum Beispiel an Durchfall. In der Klinik der SOS-Kinderdörfer bekommen die kleinen Patienten nährstoffreiche Ernährung. Der mobile Service fährt außerdem regelmäßig in die Armenviertel und versorgt Familien mit Spezialnahrung. SOS-Mitarbeiter klären über die Bedeutung von Stillen und gesunder Ernährung auf.

Malaria stellt in Somalia immer noch eine der größten Gefahren dar. Im Zusammenspiel mit Unterernährung oder Krankheiten wie dem Coronavirus kann eine Malaria-Infektion schnell tödlich verlaufen. Besonders bedroht sind schwangere Frauen und Kinder unter fünf Jahren. In unserer Kinderklinik werden die Kinder kompetent behandelt. Regelmäßig werden Familien auch über die Krankheit und geeignete Schutzmöglichkeiten aufgeklärt und kostenlose Moskitonetze verteilt.

Eine Mutter mit ihrem Baby in der SOS-Klinik in Mogadischu.
Lebensrettende Hilfe: Eine Mutter mit ihrem Baby in der Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu. Foto: Katharina Ebel

Häufig werden Patienten in die Kinderklinik der SOS-Kinderdörfer überwiesen, weil anderen Kliniken und sogar staatlichen Krankenhäusern die Möglichkeiten fehlen, eine verlässliche Diagnose zu stellen. Unsere Ärzt:innen sind sehr erfahren. Im Labor der Klinik stehen Testmöglichkeiten zur Verfügung, um die gängigen wie auch seltenere Krankheiten erkennen zu können. Eine Leistung, die in dem geplanten Neubau optimiert werden soll. Auf dem Klinikgelände befinden sich auch eine Apotheke und eine Blutbank.

Unter dem Mikroskop: Zur Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu gehört auch ein Labor. Foto: Katharina Ebel
Unter dem Mikroskop: Zur Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu gehört auch ein Labor. Foto: Katharina Ebel

Corona-Pandemie und ihre Folgen

Temperaturcheck, Maske, Schutzkleidung: Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen gehören zum Klinikalltag während der Corona-Pandemie. Foto: Mohamed Abdihakim

Die Corona-Pandemie hat die Klinik der SOS-Kindedörfer vor bisher nicht gekannte Herausforderungen gestellt: Eltern blieben anfangs aus Angst mit ihren kranken Kindern zuhause, Schutzausrüstung war nicht mehr verfügbar, dann erkrankte ein Teil der Klinikmitarbeiter an COVID-19.

Durch rasches Handeln konnten die Anfangsschwierigkeiten bald behoben werden. In kurzer Zeit baute die Klinik eine umfassende Corona-Hilfe auf: Patienten wurden in Hygiene geschult, Test- und Isolierstationen errichtet. Gleichzeitig läuft die reguläre Behandlung weiter.

Die größte Sorge von Klinikchef Dr. Mohamed Dakanes ist es, dass sich aufgrund der Konzentration auf COVID-19 Krankheiten wie Malaria verstärkt ausbreiten. "Dem müssen wir entgegensteuern", sagt der Arzt.

Videodoku aus unserer Klinik in Mogadischu

 

Dr. Mohamed Dakane: Eine feste Stütze in der Not

Dr. Mohamed Dakane untersucht ein kleines Mädchen. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma

Die Tage sind lang für Dr. Mohamed Dakane, den Ärztlichen Direktor der Mutter-Kind-Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu, und sein Team. 25 Ärzte, Pfleger und Hebammen pro Schicht kümmern sich um die kleinen und großen Patienten der Klinik. Zeit für Pausen, Zeit zum Durchatmen gibt es kaum. Zu viele Patienten, die Hilfe suchen. "Die Menschen kommen von überall her zu uns", sagt Dakane. Besonders die Neugeborenen-Station der Klinik mit ihrem ausgezeichneten Ruf ist weithin bekannt. Vor allem steht sie den Menschen offen, denen Zugang zu medizinischer Versorgung sonst meist verwehrt ist. "In den ein, zwei anderen Neugeborenen-Stationen Mogadischus kostet die Versorgung Geld. Geld, das die meisten nicht haben."

*Namen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert.

 

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