Gambia: Jetzt ist Schluss damit!

Frauen setzen sich erfolgreich gegen Mädchenbeschneidung ein

"Bei uns wurde seit über 5 Jahren kein Mädchen mehr beschnitten", berichtet eine SOS-Projektteilnehmerin. Durch Bildung und Aufklärung sagen die Frauen aus fünf Dörfern an der Westküste Gambias inzwischen "Nein" zur Beschneidung. Ein mehrjähriges Projekt der SOS-Kinderdörfer hat sie gefördert und wirtschaftlich gestärkt.

Die SOS-Familienhilfe unterstützt Frauen und Familien durch Bildung. Wissen und wirtschaftliche Unabhängigkeit machen die Frauen stark. Foto: Claire Ladavicius

Verletzung von Frauenrechten in Gambia

Viele Mädchen in Gambia brauchen noch Unterstützung, damit ihre Rechte gewahrt werden. Foto: Claire Ladavicius

Frauen und Mädchen, die im Bezirk Foni Jarrol an der Westküste von Gambia leben, wurden jahrelang in ihren elementaren Rechten verletzt: Weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und häusliche Gewalt gehörten zum Alltag. Ein Grund dafür waren wirtschaftliche Abhängigkeit und fehlende Ausbildung. Hier setzte ein Projekt der SOS-Kinderdörfer in Gambia an, das gezielt Frauen stärkt - mit großem Erfolg!

Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen und finanzieller Unterstützung der Europäischen Union will SOS-Gambia langfristig für Gender-Gleichheit in der Region zu sorgen. Gambia befindet sich auf Platz 151 von 169 möglichen Plätzen des Geschlechtergleichstellungs-Indexes. Benachteiligung und wirtschaftliche Abhängigkeit verschlechtert die Lebensqualität von Frauen und ihren Kindern erheblich.

Tief verwurzelte Geschlechterungleichheit

Frauen in der Region Foni Jarrol berichteten:

  • Zwei Drittel wurden vor ihrem 18. Lebensjahrverheiratet, 43 % davon wurden nicht vor die Wahl gestellt.
  • Fast alle Befragten hatten sich einer Genitalbeschneidung unterziehen müssen, bevor sie 16 Jahre alt waren, die Hälfte von ihnen sogar vor ihrem fünften Lebensjahr.
  • 13 % der Frauen hatten körperliche Gewalt erlitten, einige wurden sogar vergewaltigt.
  • Über ein Fünftel der verheirateten Frauen wurden von ihren Ehemännern körperlich misshandelt.

Ein Wandel, der von innen kommt

Die meisten Frauen akzeptierten diesen Zustand und widersetzen sich ihm nicht aktiv. Gemäß UNICEF-Angaben leben fast Dreiviertel der gambischen Frauen mit der anerzogenen Überzeugung, dass der Ehemann das Recht hat, seine Frau zu schlagen – und zwar aus so trivialen Gründen wie angebranntem Essen oder dem Verlassen des Hauses ohne die Erlaubnis des Ehemannes. Dieses "Verständnis" ging sogar so weit, dass keine der Vergewaltigungen oder Gewalttätigkeiten in Foni Jarrol der Polizei gemeldet worden waren. Zu groß war die Angst, zu festgefahren die Geschlechterrollen.

Gemeinsam mit den Familien ermitteln SOS-Sozialarbeiter*innen die konkreten Bedürfnisse und unterstützen sie, Fortschritte zu machen. Foto Claire Ladavicius

Mit Bildung und Sensibilisierung ans Ziel

Mit Hilfe der "Alkalo" (den Gemeindeführern), wurden in den Ortschaften Sintet, Kalagi, Kan Mamadou, Jarrol und Kampassa innerhalb des Foni-Jarrol-Bezirks 100 alleinerziehende Mütter ausgewählt, die besonders dringend Unterstützung benötigten. Die Hilfe war dabei breit gefächert:

Ausbildung

  • Alphabetisierung: 89 % der Frauen in der Region sind Analphabeten. In praktischem Unterricht lernten die Projektteilnehmerinnen Lese- und Rechenfertigkeiten.
  • Berufsausbildung: Kurse unterstützen die Frauen dabei, sich ein eigenes Einkommen aufzubauen, z.B. Tierzucht, Gemüseanbau, Stoffe färben, Seifenherstellung, Mini-Shops, Friseur etc.
  • Mit finanzieller Starthilfe bzw. Mikrokrediten halfen wir Frauen bei der Gründung ihres eigenen Geschäfts.
  • Die Frauen entwickelten Geschäftspläne und eröffneten ein eigenes Sparkonto.

Respekt und Verantwortung

Viele der Frauen berichteten, dass sie mit viel mehr Respekt von Männern behandelt werden, seit sie ein eigenes Einkommen erwirtschaften können. Auch der Druck auf Familienangehörige, die alleinstehende Mütter mitversorgen müssen, sinkt dadurch enorm. Als Folge ist auch die Gewalt gegen Frauen erheblich zurückgegangen.

Zusätzlich ist es diesen Müttern nun möglich, ihre Kinder zur Schule zu schicken, da sie nun die Kosten für Schulmaterial, Essen und Gebühren selbst aufbringen können.

 

Hilfe für Kinder in Gambia

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Sensibilisierung für Kinder- und Frauenrechte

In Vorträgen und Treffen wurden Themen rund um Elternschaft und Kindererziehung, sexuelle und reproduktive Gesundheit, Kinderrechte, kulturelle Praktiken (speziell FGM), frühe Heirat und Zwangsverheiratung sensibel angesprochen und diskutiert.

Seit die Familien wissen, dass es z.B. ein Recht auf Bildung, Ernährung oder Gesundheit gibt, sorgen die Mütter verstärkt dafür, dass ihre Kinder zur Schule gehen und gesundes Essen bekommen. Viele der Kinder berichten, dass sich ihre Mütter nun mehr Zeit für sie nehmen und dass wichtige Themen und Pläne gemeinsam in der Familie besprochen werden.

Kampf gegen Frauenbeschneidung (FGM)

Durch die direkte Arbeit mit den Beschneiderinnen (Ngamsimba) und Bewusstseinsbildung wurden gesundheitlichen Risiken und dauerhaften Schäden durch FGM thematisiert. Ehemalige Ngamsimba unterstützen diese Arbeit. Das Thema öffentlich ansprechen zu können, brachte einen großer Fortschritt. Denn bisher galt Genitalverstümmelung als großes Tabuthema, das praktiziert aber über das nicht gesprochen wurde. Auch die Männer wurden bei diesem Thema mit eingebunden.

Inzwischen haben alle Beschneiderinnen der Region diese "Arbeit" aufgegeben. Dass sie ihr gesellschaftliches Ansehen behalten und neue Einkunftmöglichkeiten gefunden haben, hat ihrer Entscheidung sehr unterstützt. Alle befragten Frauen in den Dörfern sind sich einig: "Wir werden unsere Töchter nicht beschneiden lassen."

Veränderung, die weitergeht

Ausgestattet mit einem stärkeren Rechtsbewusstsein, Geschäftswissen und einem Netzwerk aus gegenseitiger Unterstützung fördern diese Frauen innerhalb ihrer Gemeinden die Rechte der Frauen und bewirken so eine grundlegende Veränderung in der Gesellschaft von Foni Jarrol.

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