Mercator Berufskolleg: Hilfe für Kinder in Palästina

Unterstützung seit mehr als einem halben Jahrhundert

Das Mercator Berufskolleg im nordrhein-westfälischen Moers unterstützt das SOS-Kinderdorf in Bethlehem und ebnet Kindern und Jugendlichen damit den Weg in eine sichere Zukunft. Es ist die Erfolgsgeschichte einer lebenslangen Freundschaft.

Im SOS-Kinderdorf Bethlehem finden Kinder und Jugendliche eine Familie, in der sie geborgen sind. Sie wachsen mit einer starken Bindung auf. Gemeinsam Fotos ansehen ist auch für Familien im Kinderdorf ein schönes Ritual. Foto: Lydia Mantler

"Eine Herzensangelegenheit"

Bei den jährlichen Veranstaltungen des Mercator Berufskollegs steht SOS im Rampenlicht, wie beim Konzert der Lehrerband zum 50-jährigen Spendenjubiläum in 2019. Foto: Dirk Heckmann

Wenn Anett Lenzen über ihr eigenes Engagement und das ihrer Schule zugunsten des SOS-Kinderdorfes in Bethlehem spricht, spürt man, wie sehr ihr die Hilfe für Kinder in Not am Herzen liegt. Motiviert ist die Oberstudienrätin über alle Maßen, die Tradition ihrer Kollegen weiterzuführen. Und das nicht erst, seitdem sie vor sieben Jahren die Leitung dieses Schulprojekts übernahm. Die Freundschaft zwischen dem Berufskolleg und den SOS-Kinderdörfern weltweit begann weitaus früher: "Mein ehemaliger Kollege, Herr Wylutzki, war ein Freund Hermann Gmeiners, dem Gründer der SOS-Kinderdörfer. 1969 reiste er nach Israel und wurde dort zum Zeitzeugen der akuten Not vor Ort", erzählt Anett Lenzen, "von da an unterstützte das Mercator Berufskolleg das SOS-Kinderdorf in Bethlehem im heutigen Palästina, das ein Jahr zuvor eröffnet wurde. Über 50 Jahre ist uns das Wohl der Kinder und Jugendlichen mittlerweile eine Herzensangelegenheit." 

Danke für 50 Jahre Unterstützung! Julia Selle von den SOS-Kinderdörfern ehrt Anett Lenzen (mitte) und Schulleiter StD Dr. Oliver Wolf (rechts). Foto. Dirk Heckmann

Persönliche Beziehung nach Palästina

Das Berufskolleg hat eine Schulpartnerschaft mit der LILIENTAL HIGHSCHOOL im israelischen Ramla, und im Zuge dieser Allianz reisen Schüler aus Moers regelmäßig dorthin. Von Ramla ist es nur ein Katzensprung ins palästinische Bethlehem und das durch das Berufskolleg unterstützte SOS-Kinderdorf, welches bei jeder Israelreise von Schülern und Lehrkräften besucht wird. "Leider hat es bis dato noch nicht geklappt, dass die SOS-Kinder aus Bethlehem auch einmal zu uns reisen, aber ich hoffe, dass sich das in absehbarer Zeit ändert", betont Anett Lenzen.

Kinderdorffeste mit Kultstatus

Die Schülerinnen und Schüler engagieren sich bei den jährlichen Aktionen. Foto: Dirk Heckmann

Das Mercator Berufskolleg veranstaltet jedes Jahr am ersten Advent ein sogenanntes Kinderdorffest, und das seit über vier Jahrzehnten. Was einst als schulinterne Veranstaltung begann, hat mittlerweile regionale Berühmtheit erlangt und lockt zu nicht-pandemischen Zeiten mehrere tausend Besucher an. "Abgesehen von den 2500 Schülerinnen und Schülern freuen wir uns über Verwandte und Freunde, Kollegen und die 'Ehemaligen' – sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen", berichtet Anett Lenzen. An diesem Tag wird die gesamte Schule zur Festmeile, mit Live-Musik, Essens- und Getränkeständen sowie einem Basar, auf dem für den guten Zweck verkauft wird. Die Erlöse kommen allesamt dem SOS-Kinderdorf in Bethlehem zugute.

Herausforderung: Corona

Impressionen vom Adventsmarkt in den Vorjahren.

"Die ein oder andere Barspende wird auf dem Fest natürlich auch getätigt, worüber wir uns sehr freuen", ergänzt Anett Lenzen. Insgesamt mehrere Hunderttausend Euro konnte das Berufskolleg an Spenden generieren. Allein 2020 waren es 11.000 Euro, und das trotz Corona. Denn letztes Jahr mussten Fest und Basar ausfallen. Doch das war für Anett Lenzen kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: "Wegen der Pandemie musste ich umdenken und habe mich dazu entschlossen, unseren treuen Freunden, SchülerInnen und KollegInnen einen Brief zu schreiben, in dem ich ihnen klar machte, dass die Kinder und Jugendlichen in Bethlehem gerade jetzt unsere Hilfe dringender brauchen denn je." Ein Brief, der Wunder bewirkte: Trotz abgesagtem Kinderdorffest sammelte das Mercator Berufskolleg 11.000 Euro an Spenden ein.

Mehr als nur die Spende zählt

Die Veranstaltung am Mercator Berufskolleg zog in immer viele Besucher an. Coronabedingt mussten die Veranstaltungen 2020 ausfallen.

Doch das Geld ist für Anett Lenzen nur eine Seite der Medaille: "Manchmal störe ich mich an der Frage 'Wie viel Geld ist denn zusammen gekommen?'. Denn mir ist es mindestens genauso wichtig, dass sich möglichst viele Schülerinnen und Schüler an der Spendenaktion beteiligen und mit anpacken", bekräftigt die Oberstudienrätin, "wir wollen unseren Klassen damit eine Botschaft mit auf den Weg geben: wie gut es uns geht und wie erfüllend es sein kann, anderen zu helfen, die von den Dingen, die wir als selbstverständlich ansehen, nur träumen können. Das schärft ihr soziales Verhalten ungemein."

Das SOS-Kinderdorf in Bethlehem

Das SOS-Kinderdorf in Bethlehem gibt elternlosen Kindern und notleidende Familien wieder neue Perspektiven. Foto: Katerina Ilieveska

Armut und Gewalt prägen das Leben der Kinder in Palästina, zu denen das Westjordanland und der Gaza-Streifen gehören. Die Not ist groß, vor allem in Zeiten von Corona: 70% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, im Gazastreifen sind es sogar über 80%. Die Leidtragenden sind vor allem die Kinder, die etwa die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Neben der mangelnden medizinischen Versorgung ist es auch der fehlende Zugang zu Bildung für junge Menschen, der betroffen macht, denn den meisten droht eine düstere Zukunft ohne Perspektiven. Das SOS-Kinderdorf in Bethlehem bietet nicht nur Kindern ein liebevolles und sicheres Zuhause, Jugendliche und notleidende Familien, die drohen auseinanderzubrechen, werden ebenfalls unterstützt. Es gilt, junge Menschen und benachteiligte Familien auf ein Leben in Eigenständigkeit vorzubereiten, fern von Armut und Gewalt.

Eine Freundschaft auf Lebenszeit

Einschüchtern lässt sich Anett Lenzen von der Pandemie nicht, in ihrem Bestreben, Kindern und Jugendlichen zu helfen. Im Gegenteil: "Jetzt geht es erst richtig los! Ich hatte Lockdown-bedingt viel Zeit, genug Kraft zu sammeln, um in 2021 mehr Spenden zu generieren als jemals zuvor", bekräftigt Frau Lenzen, "wir sehen uns als Freunde des Kinderdorfs in Bethlehem. Freunde gehen durch dick und dünn und halten zusammen – ein Leben lang!"

Wir danken unserem Spender des Monats, dem Mercator Berufskolleg in Moers!

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erhalten Sie regelmäßig Informationen zu aktuellen Projekten.

Ihre Spende an die SOS-Kinderdörfer weltweit können Sie von der Steuer absetzen. Die SOS-Kinderdörfer weltweit sind als eingetragene gemeinnützige Organisation anerkannt und von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit. (Steuernummer 143/216/80527)