Kinderschutz bei den SOS-Kinderdörfern

Hier informieren wir Sie über die aktuelle Entwicklung

SOS-Kinderdorf-Vereine in 137 Ländern sind seit ihrer Gründung dem Kinderschutz weltweit verpflichtet und arbeiten mit Kontinuität daran, den Kinderschutz konsequent zu verbessern. Insbesondere seit 2009 gelten international verbindliche Kinderschutzrichtlinien, die unter anderem ein Meldesystem enthalten, über das Betroffene oder Mitarbeiter Verdachtsfälle und Vorwürfe weitergeben können, auch historisch zurückliegende. Im Zuge dessen haben wir im Mai 2021 zum Teil massive Verstöße gegen den Kinderschutz öffentlich gemacht. Wir bedauern jeden dieser Fälle zutiefst.   

Bereits 2016 war die unabhängige Kinderschutzorganisation "Keeping Children Safe" in London von den SOS-Kinderdörfern damit beauftragt worden, vergangene Kinderschutzverletzungen aufzuarbeiten. "Keeping Children Safe" hat im Mai 2021 einen Abschlussbericht vorgelegt, verbunden mit einer Reihe von Empfehlungen, mit deren Umsetzung die SOS-Kinderdörfer weltweit begonnen haben. Hierüber haben wir ausführlich in der Öffentlichkeit Rechenschaft gelegt.

Zu den bereits ergriffenen Maßnahmen gehört die Beauftragung unabhängiger Kommissionen.   

Auch in Deutschland gab es in einer Einrichtung des SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. in Bayern zwei Vorwurfsfälle, die durch eine Expertenkommission untersucht wurden.    

Die Aufarbeitung ist ein schmerzhafter, aber absolut notwendiger Prozess.    

Kommissionen haben ihre Arbeit aufgenommen   

Die unabhängigen Kommissionen sollen sicherstellen, dass alle Verstöße gegen den Kinderschutz, die in unseren nationalen SOS-Vereinen bekannt wurden, lückenlos und mit der nötigen Expertise aufgearbeitet werden. Es geht darum, geschehenes Leid anzuerkennen, Betroffene zu unterstützen, Täter zur Rechenschaft zu ziehen und den Kinderschutz in allen SOS-Einrichtungen weltweit durchgängig zu verbessern.    

Wir haben uns verpflichtet, die Empfehlungen der Kommissionen für die Verbesserung des Kinderschutzes umzusetzen.     

Folgende Kommissionen wurden mit den Untersuchungen beauftragt:   

Der Dachverband SOS-Kinderdorf International hat eine internationale Expertenkommission unter der Leitung des ehemaligen kenianischen obersten Richters Willy Mutunga ins Leben gerufen, die aktuell ihre Arbeit aufgenommen hat.     

Sie wird eng mit der sogenannten Klasnic-Kommission zusammenarbeiten, die in Österreich unter der Leitung der ehemaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic gegründet wurde.     

Die ersten Berichte der Kommissionen werden im Herbst 21 (Österreich,  Klasnic) und April 22 (International, Mutunga) vorliegen.    

Ergebnisse der deutschen Kommission   

Auch der SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. hat eine unabhängige Kommission unter der Leitung des Experten Prof. Dr. Heiner Keupp eingerichtet, um die beiden historischen Vorfälle in Bayern zu untersuchen. Deren Abschlussbericht liegt nun vor. Ergebnis ist, dass es bedauerlicherweise nicht gelungen ist, die vereinbarten Standards und Richtlinien in Bezug auf Kinderschutz und die Qualität der pädagogischen Arbeit lückenlos in den Alltag der untersuchten Kinderdorffamilien umzusetzen. In der Zeit von den frühen 2000er Jahren bis etwa 2015 haben wiederholt kindeswohlgefährdende Grenzverletzungen und pädagogische Fehlhandlungen durch zwei ehemalige Mitarbeiterinnen stattgefunden.    

Auch wenn der nationale Verein SOS-Kinderdorf Deutschland e.V. seit vielen Jahren an der kontinuierlichen Verbesserung des Kinderschutzes arbeitet, so zeigt das Ergebnis der Aufarbeitung, dass es offenbar eine Lücke zwischen den verpflichtenden Standards und der Praxis im Alltag gab, die kindeswohlgefährdende Grenzverletzungen und pädagogische Fehlhandlungen ermöglicht hat. 

SOS-Kinderdorf Deutschland e.V., in dessen Zuständigkeitsbereich die Einrichtungen in Deutschland fallen, erkennt das Leid der Betroffenen an. Der Vorstand hat sich bei den Betroffenen persönlich entschuldigt und ist seit Bekanntwerden der Vorwürfe mit ihnen im Austausch. Die Betroffenen erhalten Unterstützung, z.B. durch die Finanzierung einer rechtlichen Beratung.  

Zudem wurde eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Kinderschutz zu verbessern. Unter anderem wurde eine neue Stelle hierfür geschaffen und die Arbeit der internen Meldestelle wird um eine Hotline für akute Anliegen ergänzt und mit einem Betroffenenrat flankiert.

Kinderschutz in Deutschland (Einrichtungen des SOS-Kinderdorf Deutschland e.V.) 

Bereits seit 2009 erfolgt im Auftrag des Vorstands des Vereins SOS-Kinderdorf e.V. eine Aufarbeitung von historischen und aktuellen Unrechtshandlungen gegenüber Kindern.    

Seit 2010 gibt es in Deutschland eine interne Anlauf- und Monitoringstelle (IAMSt), die für die Unterstützung und Entschädigung von Betroffenen zuständig ist. Kinder, Jugendliche, Mitarbeiter, Ehemalige und andere haben die Möglichkeit, über diese  Verdachtsfälle zu melden. Über diese Anlaufstelle sind im August 2020 die Missbrauchsvorwürfe gegen ehemalige Mitarbeiterinnen aus einer Einrichtung in Bayern eingegangen, die aktuell von der Kommission untersucht wurden.     

Kinderschutz weltweit   

Die Beauftragung der Kommissionen ist das bislang jüngste Glied eines umfassenden weltweiten Aktionsplans von Kinderschutz-Maßnahmen, den die SOS-Kinderdörfer seit Mai 2021 auf den Weg brachten.     

Markante Bausteine sind: Das Meldesystem (“Whistleblower System“) – hier wird jedem Verdachtsfall von dafür eigens geschulten Fachleuten nachgegangen, Betroffene erhalten Unterstützung, die Öffentlichkeit wird informiert.  

Zu den aktuellen Verbesserungsmaßnahmen, mit deren Umsetzung begonnen wurde, gehört die Etablierung eines globalen Netzes von Ombudspersonen.     

Ombudspersonen sind unabhängige Anlaufstellen, an die Kinder, Jugendliche und andere sich mit ihren Anliegen wenden können. Ihre Aufgabe ist es, den Betroffenen zuzuhören, ihr Anliegen ernst zu nehmen und sicherzustellen, dass etwaigen Vorwürfen nachgegangen wird, bis diese abschließend geklärt sind und entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden.    

Um dies zu erreichen, sind junge Menschen an der Umsetzung beteiligt und es wird eng mit einer globalen Kinderschutz-Beratung zusammengearbeitet. Ab Oktober 2021 werden wir in drei Ländern dazu erste Piloten aufsetzen, 2022 sollen dann auf internationaler Ebene sowie in insgesamt 20 Länder Ombudspersonen ihre Arbeit aufnehmen. In den Folgejahren wird das Projekt kontinuierlich ausgeweitet.     

Darüber hinaus stehen Soforthilfen für von Kindesschutzverletzungen betroffene Personen bereit, ein umfangreiches Training für Kinder- und Jugendbetreuer ist angelaufen.  

Auf unserer Website www.sos-kinderdoerfer.de werden wir kontinuierlich über weitere Fortschritte und insbesondere über die Ergebnisse der Internationalen Kommissionen berichten, sobald diese vorliegen.  

Bereits jetzt finden Sie dort den detaillierten Maßnahmenplan zum Kinderschutz.

Auf der Website www.sos-kinderdorf.de können die nationalen Maßnahmen für Deutschland verfolgt werden.

Wenn Sie sich Sorgen um die Sicherheit eines Kindes in einem Programm der SOS-Kinderdörfer machen, klicken Sie bitte hier, um den Vorfall zu melden.

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