Kasum näht eine Zukunft für seine Familie

Endlich fühlt er sich wie ein richtiger Vater

Kasum Fejzula (35) zieht seine vier Kinder alleine groß. Sie leben in sehr ärmlichen Verhältnissen in einer armen Gegend in Skopje, der Hauptstadt Nordmazedoniens. Hier erzählt er seine Geschichte:  

"Wir steckten wirklich in einer schwierigen Situation fest. Es war schlimm: meine Frau hatte mich mit zwei Babies, einem Kleinkind und einem Kind mit besonderem Förderbedarf alleine gelassen. Ich konnte nicht arbeiten, weil ich niemanden hatte, der sich um die Kinder kümmerte. Wir hatten ein Leck im Dach und keine funktionierende Toilette. So ging ich irgendwann zu den SOS-Kinderdörfern, in der Hoffnung, dass sie mir Essen geben könnten, da ich selbst keines kaufen konnte.  

Ich hatte oft sehr dunkle Gedanken. Tanja und Jasmina, die beiden Psychologinnen, haben mich gemeinsam aus der Dunkelheit gezogen. Sehr oft rief ich sie an oder sie kamen vorbei. Kristijan, unser Familienberater, brachte mir Baumaterial. So konnte ich unser Dach und die Toilette reparieren. Sie halfen uns außerdem mit Essen, Windeln, Second-Hand-Kleidung und Hygieneartikeln.  

Was mich immer besonders beeindruckt hat, ist, dass diese Menschen von den SOS-Kinderdörfern aus vollem Herzen Familien helfen wollen. Als neuer Single-Papa bin ich wirklich durch die Hölle gegangen, und sie waren die einzigen, die mich unterstützt haben.  

Kazum und seine vier Kinder haben schlimme Zeiten hinter sich. Mittlerweile hat sich die Familie erholt und Kasum kann für sie alle sorgen. Foto: Katerina Ilievska

Nachdem ich stabiler war, schlug Kristijan vor, dass ich an Berufsausbildungen teilnehmen sollte. Er meinte, Arbeit, die ich von zuhause verrichten könnte, würde doch ganz gut passen. Sein Vorschlag: ein Nähkurs. Diesen schloss ich nach sechs Monaten ab.  

Dann sagte er mir, die SOS-Kinderdörfer könnten mir eine neue Nähmaschine besorgen. Wir gingen gemeinsam in einen Laden und er fragte mich, welche ich haben wolle. Ich protestierte – denn die Maschine kostete etwa so viel wie drei Monate Sozialgeld (Anmerung der Redaktion: etwa 50 Euro pro Monat). Dort, in genau diesem Laden, ging Kristijan die zwei Jahre durch, in denen wir gemeinsam vieles erlebt hatten, und sagte: 'Damit brauchst du uns nicht mehr. Du wirst in der Lage sein, selbst für deine Kinder zu sorgen.' Ich begann zu weinen.  

Mittlerweile nähe ich Kleidung für ein lokales Geschäft. Morgens arbeite ich von Zuhause und am Nachmittag repariere ich andere Kleidung. Die Maschine habe ich erst seit einigen Monaten, aber unser Leben hat sich schon jetzt sehr gebessert. Zum ersten Mal kann ich meinen Kindern Süßigkeiten oder mal ein Eis kaufen. Zum ersten Mal bin ich nicht der Vater, der immer nein sagen muss, weil wir Geld für Brot sparen müssen. Zum ersten Mal fühle ich mich wie ein richtiger Vater. 

Meine älteste Tochter geht jetzt in eine Förderschule und ihr geht es viel besser. Sie ist zehn Jahre alt und kann mittlerweile Tiere, Formen und Farben benennen. Mein fünf Jahre alter Sohn ist in der Vorschule im SOS-Kinderdorf. Die Zwillinge sind drei Jahre alt. Ich hoffe, dass ich sie nächstes Jahr in den Kindergarten schicken kann. 

Die Menschen von den SOS-Kinderdörfern haben uns so viel Liebe und Fürsorge gegeben. Sie haben uns nie als arme Roma gesehen oder schlecht behandelt. Alles, was sie wollen, ist, dass es uns gut geht und wir eine gute Zukunft haben. Solche Personen sind so wertvoll! Ich sage ihnen jeden Tag, wie dankbar ich bin, aber ich befürchte, dass ich ihnen nie wirklich erklären kann, wie viel sie und das, was sie für mich und meine Kinder tun, bedeutet."

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