Tajson lernt mit seinen Kindern 

Der junge Familienvater Tajson aus Sarajevo kümmert sich um die Entwicklung seiner Kinder. In der Kita der SOS-Kinderdörfer lernt er, wo und wie er sie unterstützen kann. 

In der Kindertagesstätte der SOS-Kinderdörfer in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, organisieren die beiden Erzieherinnen Neira Bogilović und Aida Šljivo verschiedene Aktivitäten für Kinder im Alter von einem bis sechs Jahren. Ihr Ziel ist es, Kinder in ihrer Entwicklung möglichst früh zu fördern und den Eltern das nötige Wissen beizubringen, damit sie das ebenso können.  

Dafür werden die Eltern von Anfang an in die Aktivitäten einbezogen, sie übernehmen eine leitende Rolle in den Lernerfahrungen und Entdeckungen ihrer Kinder. "Unser Ziel ist es nicht, mit den Kindern zu arbeiten – sondern, dass die Eltern das selbst machen", sagt Aida. "Sie können das zuhause dann weitermachen. Wir geben ihnen nur Anstöße, wie sie mit ihren Kindern umgehen und auf sie reagieren können." 

Durch frühkindliche Förderung wollen die SOS-Kinderdörfer zum Beispiel die Grob- und Feinmotorik der Kinder fördern, ebenso wie ihre kognitiven Fähigkeiten, ihre emotionale Entwicklung, soziale Interaktion und Sprache. Im Jahr 2018 nahmen mehr als 270 Kinder an den Aktivitäten teil.  

Tajson begleitet seine Kinder 

Eines der Kinder, das regelmäßig mit seinen Eltern an den Workshops teilnimmt ist der 4-jährige Dejan. Sein Vater Tajson begleitet ihn immer zu den Aktivitäten. Der junge Vater und seine Frau haben drei Söhne. Beide Elternteile sind arbeitslos, wodurch sie nur sehr bedingt Zugang zu öffentlichen Kindergärten haben – denn Familien, die ein stabiles Einkommen haben, werden hier priorisiert.  

Dass sie ihre Kinder in die Kita bringen können, war für sie eine lang ersehnte Chance – besonders da ihr ältester Sohn David mit Sprachproblemen zu kämpfen hatte, als er 2017 in die Kindertagesstätte kam. Die Familie hatte mehr als vier Jahre im Ausland gelebt, und als sie wieder nach Sarajevo zurückkamen, fühlte sich David verloren zwischen zwei Sprachen. "Wir haben versucht, jemanden zu finden, der uns helfen kann, aber wenn du kein Geld hast, dann findest du meistens auch nicht das, was du suchst", sagt Tajson.  

Sprachtherapie außerhalb des Gesundheitssystems 

In der Kita können Kinder Sprachtherapie bekommen – im öffentlichen Gesundheitssystem sind solche Therapien nur sehr schwer zu erlangen. Und das, obwohl es schwere Folgen für Kinder haben kann, wenn ihre Sprachprobleme nicht richtig behandelt werden. 

"Wenn ältere Kinder Schwierigkeiten haben, etwa Sprachprobleme, kann das zu Mobbing durch andere Kinder führen – das kann bei den betroffenen Kindern dazu führen, dass sie sich zurückziehen, aggressiv werden oder ein sehr geringes Selbstwertgefühl haben", sagt Aida. Auch wenn der 7-jährige David mittlerweile in der Schule ist und nicht mehr an den Aktivitäten der Kita teilnimmt, kommt er trotzdem immer noch ins Familienzentrum, da er dort Sprachtraining erhält.  

"Meine Kinder sind viel interessierter" 

Vater Tayson ist aufgefallen, dass sich das Verhalten seines Sohnes deutlich verbessert hat, seitdem er an den Aktivitäten der Kita teilnahm. "Unser Ältester war verschlossen und in sich zurückgezogen als er anfing, hierher zu kommen. Seitdem hat sich viel geändert: er ist viel offener, freundlicher und auch seine Noten haben sich verbessert."   

Durch die verschiedenen Aktivitäten hätten auch die Neugier und das Interesse, neue Dinge zu lernen, bei seinen Kindern zugenommen. "Früher wollten sie direkt nach dem Aufstehen Zeichentrickfilme schauen. Nun malen sie lieber, sie wollen etwas lernen und versuchen sogar schon, zu schreiben", sagt Tayson. "Ich finde es besonders schön, dass es für sie mittlerweile zur Gewohnheit wurde, all diese Dinge zu tun."

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