Ein Familienschicksal in Bangladesch

"Ich wusste nicht mehr weiter": Wie die SOS-Kinderdörfer einer Witwe und ihren vier Kindern beistehen

Wenn ein Sack Reis plötzlich doppelt so teuer ist - was bedeutet dies für eine Familie, die in Armut lebt? Und was soll eine Mutter tun, wenn ihr Kind vor Hunger weint? Sakhina, eine Witwe in Bangladesch, wusste nicht mehr weiter - heute hat sie wieder Hoffnung.

 

Zwei Kinder, deren Familie durch SOS unterstützt wird
Zwei Kinder, deren Familie durch SOS unterstützt wird

"Mein Name ist Sakhina. Ich bin Witwe und habe vier kleine Kinder, zwei Jungen und zwei Mädchen. Wir leben in der Stadt Chittagong in Bangladesch.

Ich bin es nicht gewohnt zu klagen. Normalerweise spreche ich nicht darüber, was es bei uns zu Essen gibt, sondern arbeite hart, damit wir überleben. Aber bis vor kurzem wusste ich nicht, wie ich meine Kinder satt bekommen sollte. Reis ist plötzlich doppelt so teuer geworden – wie soll ich das von dem wenigen Geld bezahlen, das ich als Haushaltshilfe verdiene?

Seit einem Jahr muss ich für meine Kinder ganz alleine sorgen: Damals starb mein Mann Abdul. Er arbeitete als Rikscha-Fahrer und verunglückte bei einem Verkehrsunfall tödlich.

Für meine Kinder und mich begann eine schlimme Zeit. Es dauerte nicht lange, da konnte ich nicht mehr das Schulgeld für meinen achtjährigen Sohn Sultan, mein Ältester, bezahlen: Er musste die Schule verlassen. Ich kann niemand beschreiben, wie weh mir das als Mutter tat. Abdul und ich, wir waren so stolz gewesen, dass wir unserem Kind den Schulbesuch ermöglichen konnten - damit er es einmal besser haben würde.

 

Hilfe über den Tag hinaus: Schneiderei-Fortbildung in Bangladesch
Hilfe über den Tag hinaus: Schneiderei-Fortbildung in Bangladesch
Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. Denn die Preise für Reis stiegen und stiegen. Ein Sack Reis von 15 Kilo reicht für meine vier Kinder und mich eine Woche lang. Vor einem Jahr kostete ein Sack noch 240 Taka - heute sind es 495 Taka! (= 4,70 Euro). Das ist für mich unbezahlbar – und das geht nicht nur mir so. So viele Menschen haben nicht mehr genug zu essen! Die Soldaten vertrieben Hungernde von den Müllkippen, als diese dort nach vergammelten Reis suchten. Es sind schwere Zeiten für uns Menschen in Bangladesch. Das sieht man auch daran, dass wir unsere traditionellen Feste praktisch nicht mehr feiern: zum Beispiel das Erntefest Nobanna oder Kangali-voj, bei dem die Hungrigen gespeist werden.

 

Wie ging es mit meinen Kinder und mir weiter? Als erstes haben wir auf Fleisch, Fisch, Milch und Eier verzichtet - das war vor neun Monaten. Dann gab es nur noch blanken Reis. Und dann reichte das Geld nur noch für Kartoffeln und sehr billiges grünes Gemüse. Es war oft nur so wenig, dass das Essen unseren Hunger nur linderte. Ich selbst habe oft auf eine Mahlzeit verzichtet, damit mehr für meine Kinder da ist. Doch zuletzt gab es immer öfter Tage, an denen ich ihnen nichts zu essen geben konnte.

 

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"Heute kann ich für meine Kinder wieder zwei Mal am Tag eine Mahlzeit kochen": Sakinhas Familie muss keinen Hunger mehr leiden.
Ich werde nie vergessen, wie meine Kleinste vor Hunger weinte, heimlich und still in sich hinein. Ich wusste nicht mehr weiter. Doch dann erhielt ich Hilfe durch die SOS-Kinderdörfer in Bangladesch: Meine Kinder und ich wurden in die Familienhilfe des SOS-Kinderdorfs Chittagong aufgenommen.

 

Wir erhalten Lebensmittelhilfe: Reis, Sojaöl und Hülsenfrüchte. Außerdem habe ich Samen und Setzlinge für Gemüse bekommen: Ich pflanze jetzt Spinat, Bohnen, Radieschen und Tomaten in unserem Kleingarten. Das hilft uns sehr: Heute kann ich für meine Kinder wieder zwei Mal am Tag eine Reismahlzeit mit Gemüse kochen. Mein Ältester kann jetzt dank der Unterstützung durch die SOS-Kinderdörfer wieder zur Schule gehen. Und ich habe eine sechsmonatige Fortbildung begonnen: In der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule in Chittagong besuche ich einen Schneiderei-Abendkurs. Als Schneiderin werde ich mehr verdienen. Bald kann ich wieder selbst für meine Kinder sorgen. Das ist das Schönste. Dafür bin ich unendlich dankbar!"