Hunger in Afrika: Fakten, Ursachen, Folgen

Kinder in der Subsahara-Region leiden besonders

Jeder vierte Mensch in Afrika südlich der Sahara hungert. Besonders leiden die Kinder. Chronischer Hunger aufgrund von extremer Armut ist eine Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit in der Subsahara-Region. 2017 bahnen sich zudem in mehreren afrikanischen Ländern Hungerkatastrophen an.

Aktuelle Hungerkrisen: Kriege und Dürren

Ist das Ärmchen zu dünn? Ein Drittel der Kinder in Afrika leidet unter den Folgen chronischer Mangelernährung. Foto: Sylvain Cherkaoui

An mehreren Brennpunkten gleichzeitig eskalieren aktuell Hungerkrisen: In vier Ländern, drei davon in Afrika, sind insgesamt 20 Millionen Menschen, darunter unzählige Kinder, vom Hungertod bedroht. Die vier Krisenregionen, die alle unter den Folgen bewaffneter Konflikte leiden, sind:

  • Nigeria: Der grausame Terror der Boko-Haram-Miliz hat im Nordosten Nigerias eine Massenflucht ausgelöst. Als die nigerianische Armee das Gebiet 2016 von Boko Haram zurückeroberte, begann das Ausmaß der Flüchtlings- und Hungerkrise deutlich zu werden.
  • Somalia: Das Land am Horn von Afrika ist gezeichnet von Jahrzehnten des Bürgerkriegs und der Anarchie. Nun wird Somalia erneut von einer verheerenden Dürre heimgesucht. Diese ist noch dramatischer als während der Hungersnot 2011/2012.
  • Südsudan: Im Norden des Bürgerkriegslands Südsudan herrscht Hungersnot: Am 20.2.2017 haben die Vereinten Nationen offiziell den Hungernotstand ausgerufen. Der seit Jahren tobende Konflikt lässt Felder brach liegen und blockiert Hilfslieferungen.
  • Jemen: Das "Armenhaus" der arabischen Welt ist das einzige nichtafrikanische Land, das aktuell von einer Hungerkatastrophe bedroht wird. Seit 2015 wird der Jemen von einem Bürgerkrieg erschüttert. Hunger wird als Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt.

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Zusätzlich leiden aktuell die Menschen in vielen afrikanischen Ländern unter den Folgen des Wetterphänomens El Niño: Dürren oder sintflutartiger Regen zerstören Ernten, lassen das Vieh verenden und führen zu Hunger.

2017 sind 37 Länder, davon 28 in Afrika, auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, so die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (englisch Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO). Diese Länder sind:
Äthiopien, Afghanistan, Burkina Faso, Burundi, DR Kongo, Dschibuti, Eritrea, , Guinea, Haiti, Irak, Jemen, Kamerun, Kenia, Kongo, Lesotho, Liberia, Libyen, Madagaskar, Malawi, Mali, Mauritanien, Mozambique, Myanmar, Niger, Nigeria, Nordkorea, Pakistan, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südsudan, Sudan, Swaziland, Syrien, Tschad, Uganda und Zentralafrikanische Republik.

Doch den Vereinten Nationen fehlt das Geld, um die dringend benötigte Hilfe für Millionen Hungernde zu finanzieren: Zugesagte Spenden der internationalen Gemeinschaft bleiben bislang aus.

Hungersnot und chronischer Hunger

Hungersnöte sind akute Ernährungskrisen nach Dürren oder aufgrund bewaffneter Konflikte und die schlimmste Form der Nahrungsmittelknappheit. Neben alten Menschen sind dann vor allem Babys und kleine Kinder vom Hungertod bedroht. Nach der UN-Definition (Integrated Food Security Phase Classification) herrscht eine Hungersnot, wenn in der betroffenen Region mindestens:

  • 20 Prozent der Haushalte unter extremer Nahrungsmittelknappheit leiden,
  • 30 Prozent der Bevölkerung akut mangelernährt sind,
  • zwei von 10.000 Menschen oder vier Kinder täglich an Nahrungsmittelmangel sterben.

Einer der schlimmsten Hungerkatastrophen der vergangenen 25 Jahre war die Hungersnot in Ostafrika 2011/12. Im Bürgerkriegsland Somalia verhungerten damals 260.000 Menschen, darunter 133.000 Kinder unter fünf Jahren.

Afrika südlich der Sahara ist zudem ein Brennpunkt chronischen Hungers aufgrund von extremer Armut. Nach der Definition der Welternährungsorganisation FAO leiden Menschen an chronischem Hunger, wenn ihre tägliche Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum unter dem liegt, was sie für ein gesundes und aktives Leben bräuchten. Als Untergrenze werden durchschnittlich 1800 Kalorien am Tag angesetzt.
Demnach hungern in Afrika 226,7 Millionen Menschen. Betroffen von extremer Armut und Hunger in Afrika sind vor allem die südlich der Sahara gelegenen Staaten. Jeder Vierte leidet dort Hunger - damit ist in Subsahara-Afrika der Anteil der Hungernden weltweit am höchsten.

In der Region leben 40 bis 50% der Menschen unter der Armutsgrenze, d. h., sie haben ein tägliches Einkommen, das durchschnittlich unterhalb von 1,25 US-Dollar liegt. Damit gehört Afrika südlich der Sahara neben dem südlichen Asien zu den ärmsten Regionen der Welt.

Mangelernährung und hohe Kindersterblichkeit

Unter dem Hunger in Afrika leiden besonders die Kinder. Mangelernährung führt zu körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen und ist eine Hauptursache für die hohe Kindersterblichkeit südlich der Sahara.

  • Nach UN-Angaben sind weltweit 165 Millionen Kinder infolge von chronischer Unterernährung für ihr Alter zu klein (englisch "stunted"). Drei Viertel dieser Kinder leben in Afrika südlich der Sahara sowie in Südasien. In Subsahara-Afrika sind 40 Prozent der Kinder betroffen, in Südasien 39 Prozent.
  • 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich in Afrika südlich der Sahara - das ist etwa die Hälfte aller weltweiten Todesfälle in dieser Altersgruppe.
  • Fast jeder zweiter Sterbefall bei Kindern unter fünf Jahren geht weltweit auf Mangelernährung zurück. Da diese das Immunsystem schwächt, führen häufig Krankheiten wie Lungenentzündung, Malaria oder Durchfall zum Tod.

So ist die Kindersterblichkeitsrate in den Ländern südlich der Sahara eine der höchsten der Welt: Eines von neun Kindern stirbt vor seinem fünften Geburtstag, in Sierra Leone ist es sogar jedes sechste. Besonders viele Kleinkinder sterben in den Ländern Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo.

Der Hunger in Afrika hat viele Ursachen

Die Gründe für den Hunger in Afrika sind komplex und liegen keineswegs, wie oft angenommen, ausschließlich in der mangelnden Produktivität der Landwirtschaft und den schwierigen klimatischen Bedingungen. In den Ländern Subsahara-Afrikas gibt es Millionen Hektar fruchtbaren Bodens. Der afrikanische Kontinent könnte sich selbst ernähren. Mehrere Faktoren verhindern jedoch eine Entwicklung zum Selbstversorger und einen Sieg im Kampf gegen den Hunger in Afrika:

  • Bevölkerungswachstum: In Afrika südlich der Sahara nimmt die Zahl der Menschen stark zu, die Nahrungsmittelproduktion hält damit jedoch nicht Schritt.
  • Ungerechte Handelsstrukturen: EU und USA subventionieren die heimische Landwirtschaft, afrikanische Bauern sind gegenüber billigen Nahrungsmittelimporten nicht konkurrenzfähig.
  • Schuldenfalle und Misswirtschaft: Die hohe Verschuldung vieler afrikanischer Länder sowie schlechte Regierungsführung und Korruption blockieren die wirtschaftliche Entwicklung. Massenarmut und Hunger sind die Folgen.
  • Krankheiten: Das Ausmaß der Aids-Epidemie oder auch Malaria hemmen in Afrika die landwirtschaftliche Produktion und nehmen Familien die Ernährer.
  • Bewaffnete Konflikte: Afrika ist ein Kontinent der Krisenherde. Die meisten Kriege weltweit toben südlich der Sahara. Flüchtlingselend und Hunger sind die Begleiter.

Kampf gegen den Hunger in Afrika – UN-Millenniumsziel knapp verfehlt

2000 fand in New York die 55. Generalversammlung der Vereinten Nationen statt, der Millenniums-Gipfel. Am 9. September 2000 verabschiedeten die 189 UN-Mitgliedsstaaten eine Erklärung mit den Millenniums-Zielen der Vereinten Nationen. So sollte der Anteil unterernährter Menschen bis 2015 halbiert werden. Dieses Teilziel wurde jedoch knapp verfehlt. Jeder achte Mensch in den Entwicklungsregionen hungert heute (12,9 Prozent in den Jahren 2014-2016). Das liegt insbesondere daran, dass in den Ländern Subsahara-Afrikas die Bevölkerung stark wächst.

Der Kampf gegen Hunger bleibt eine der größten Herausforderungen für die Weltgemeinschaft. Bis 2030 wollen die Vereinten Nationen den Hunger beenden. Dies wurde in den Zielen für nachhaltige Entwicklung (englisch Sustainable Development Goals - SDGs) festgeschrieben, die die UN 2015 als Nachfolgeagenda der Millenniumsziele verabschiedet hat.

Erfolge und Rückschritte im Kampf gegen den Hunger in Afrika

Die Bestrebungen, dem Hunger in Afrika entgegenzuwirken, sind durch bedeutende Erfolge, aber auch durch verheerende Rückschritte gezeichnet.

Zu den wichtigsten Erfolgen zählen:

  • Größere politische Stabilität in ehemaligen Bürgerkriegsländern
  • Wirtschaftliches Wachstum der Region Subsahara
  • Fortschritte im Kampf gegen HIV, AIDS und Malaria
  • Verringerung der Kindersterblichkeitsrate

Zu den Rückschritten im Kampf gegen den Hunger in Afrika gehören:

  • Missernten infolge von Klimawandel und Umweltzerstörung
  • Weltweit steigende Lebensmittelpreise und Lebensmittelspekulationen
  • Humanitäre Krisen aufgrund bewaffneter Konflikte im Norden Malis, im Norden Nigerias und im Südsudan

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SOS-Kinderdörfer helfen den Hungernden in Afrika

Die SOS-Kinderdörfer sind in 47 afrikanischen Ländern aktiv. In den derzeit 147 Kinderdörfern auf dem Kontinent finden verwaiste und verlassene Kinder ein Zuhause, die sonst akut von Hunger und Unterernährung bedroht wären. Im Kampf gegen den Hunger in Afrika engagiert sich SOS zudem durch langfristige Entwicklungsprojekte sowie durch humanitäre Hilfe:

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