Armut in Afrika

600 Millionen Menschen in der Subsahara-Region sind extrem arm - Kinder leiden besonders

Der afrikanische Kontinent ist Brennpunkt der globalen Armut. In den Ländern südlich der Sahara leben insgesamt an die 600 Millionen Menschen, so die Weltbank, unterhalb der Armutsgrenze. Gerade Kinder leiden besonders. Doch was sind die Ursachen von Armut und Ungleichheit? Welche Herausforderungen verbinden den Kontinent im Kampf gegen die Armut – oder scheren wir 54 Nationen über einen Kamm? Welche Erfolge gibt es – und warum gilt Afrika als Kontinent der Chancen?

Vor allem in ländlichen Regionen Afrikas leben viele Menschen in extremer Armut: Eine Mutter mit Baby vor ihrer Lehmhütte bei Gode, Äthiopien - Foto: M.Morosini

Kontinent der Gegensätze und der Chancen

Afrika ist ein Kontinent der Vielfalt und der Gegensätze – auch der Chancen. In 54 Ländern, 49 davon in Subsahara-Afrika, leben insgesamt etwa 1,3 Milliarden Menschen. Allein die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Nationen sind gewaltig - wie auch zwischen boomenden Metropolen und strukturschwachen ländlichen Regionen. Äthiopien oder Ruanda gehören seit Jahrzehnten zu den am schnellsten wachsenden Ökonomien weltweit. Nigeria, eine der größten Volkswirtschaften des Kontinents, ist dagegen zurückgefallen: Das Land hängt stark von den Einnahmen aus Öl und Gas ab – und die kommen beim Großteil der 240 Millionen Nigerianer:innen nicht an. Durch politische und wirtschaftliche Stabilität konnten wiederum Nationen wie Äquatorialguinea, Benin, Gabun, Ghana und Senegal kontinuierlich Erfolge im Kampf gegen die Armut erzielen.

Erfolge und Rückschläge im Kampf gegen die Armut

Insgesamt ging es auf dem Kontinent lange stetig bergauf - vor allem aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in den 2000er Jahren. Der Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen an der Gesamtbevölkerung ging im subsaharischen Afrika stark zurück: von 53,8 Prozent im Jahr 1990 auf 35,4 Prozent im Jahr 2019. Immer mehr stiegen in mittlere Einkommensgruppen auf und hatten besseren Zugang zu Elektrizität, Bildung und Gesundheitsversorgung. Trotz dieser enormen Fortschritte: Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums stieg die absolute Zahl extrem armer Menschen in der Region von 278 auf 397 Millionen.

Bereits ab Mitte der 2010er Jahre begann Subsahara-Afrika im Kampf gegen die Armut hinter anderen Weltregionen zurückzufallen, vor allem hinter Ostasien und dem pazifischen Raum sowie Südasien. Die COVID-19-Pandemie führte dann ab Anfang 2020 zu einem massiven Rückschlag: Aufgrund der ökonomischen Folgen stieg die globale extreme Armut erstmals seit Jahrzehnten wieder an – und afrikanische Staaten waren besonders betroffen. 2022 folgte der Krieg in der Ukraine, der erneut Lieferketten unterbrach und zu steigenden Lebensmittelpreisen führte. Viele Industrienationen begannen ab 2025, ihre Entwicklungsgelder zu kürzen, allen voran die USA mit der Auflösung der US-Entwicklungshilfe-Agentur USAID. Durch den Irankrieg seit Anfang März 2026 werden nicht nur Treibstoff, sondern auch Düngemittel teuer –  wieder drohen fragile Volkswirtschaften besonders unter Druck zu geraten.

 

Definition: Was ist Armut?

"Absolute Armut" bedeutet, dass Menschen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung und Kleidung nicht decken können. “Relative Armut" bezieht sich auf den Vergleich zum jeweiligen Umfeld eines Menschen und ein Mindestmaß gesellschaftlicher Teilhabe. 

Es gibt viele Wege, wie Armut gemessen wird. Nach der Definition der Weltbank gilt als extrem arm, wer weniger als 3 US-Dollar am Tag zum Leben hat. 

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat unter anderem den Human Development Index (HDI) entwickelt, der mit Hilfe verschiedener Indikatoren Armut messen soll. Dazu gehören:

Der Mehrdimensionale Armutsindex (Multidimensional Poverty Index, MPI) der UNDP basiert auf Daten aus Haushaltsbefragungen. Noch stärker als der HDI berücksichtigt der MPI Gesundheit und Lebensstandard. Zusätzliche Indikatoren sind hier zum Beispiel:

Diese multidimensionale Armutsmessung basiert auf dem Fähigkeitsansatz (Capability Approach) des indischen Nobelpreisträgers und Wirtschaftswissenschaftlers Amartya Sen. Demnach ist Armut nicht allein durch ein niedriges Einkommen definiert, sondern als ein Mangel an grundlegenden Verwirklichungschancen („capabilities“), ein Leben zu führen, das man wertschätzt.

"Armut ist die Beraubung von Chancen."

 

Kleinkind aus Mosambik

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Fakten und Zahlen

Der afrikanische Kontinent ist von der globalen Ungleichheit besonders stark betroffen. Die folgenden Zahlen und Fakten können eine differenzierte Perspektive auf 54 Länder keinesfalls ersetzen – sie können jedoch als Indikatoren für Trends und strukturelle Probleme dienen, die viele Länder der Region verbinden.

    • Im Jahr 2025, so schätzt die Weltbank, waren weltweit etwa 830 Millionen Menschen extrem arm – rund 70 Prozent von ihnen leben in Ländern Subsahara-Afrikas. Das sind fast 600 Millionen Menschen und im Schnitt nicht ganz die Hälfte (46 Prozent) der Bevölkerung. 
      Zum Vergleich die Zahlen nach dem Multidimensional Poverty Index (MPI): 522 Millionen Menschen sind demnach in Subsahara-Afrika durch akute multidimensionale Armut betroffen, gefolgt von Südasien mit 402 Millionen. Weltweit leben 1,1 Milliarden Menschen in akuter multidimensionaler Armut.
    • Kinder sind besonders betroffen: Jeder zweite Mensch auf dieser Welt, der in Armut lebt, ist ein Kind. Über drei Viertel aller extrem armen Kinder leben in der Subsahara-Region: Zwischen 2014 und 2024 ist die Region im Kampf gegen Kinderarmut kaum vorangekommen.
    • Neun der zehn ärmsten Ländern der Welt sind afrikanische Staaten. Nach den Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist das Bürgerkriegsland Jemen die einzige nichtafrikanische Nation. Die afrikanischen Staaten sind: Südsudan, Burundi, die Zentralafrikanische Republik, Malawi, Madagaskar, Sudan, Mosambik, die Demokratische Republik Kongo und Niger. Das IWF-Ranking bemisst sich am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.
    • 421 Millionen extrem arme Menschen, so die Weltbank, leben in von politischer Instabilität und Konflikten zerrütteten Ländern, die Hälfte davon sind Nationen in Subsahara-Afrika.
    • Eine Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer in Somalia untersucht ein Kind auf Mangelernährung. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma
      Eine Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer in Somalia untersucht ein Kind auf Mangelernährung. Foto: On Screen Productions/Kevin Ouma
      Die extreme Armut führt zu Hunger in Afrika. Im Jahr 2024, so der Welternährungsbericht, litten weltweit rund 673 Millionen Menschen an Hunger – davon etwa 307 Millionen in Afrika und 323 Millionen in Asien sowie rund 34 Millionen in Latein Amerika und der Karibik. Besonders alarmierend: Jeder fünfte Mensch auf dem afrikanischen Kontinent ist unterernährt, während es in Asien knapp sieben Prozent sind. Prognosen zeigen, dass Hunger zwar weltweit leicht zurückgeht, aber bis 2030 werden voraussichtlich immer noch 512 Millionen Menschen betroffen sein, fast 60 Prozent davon in Afrika. 
    • Aufgrund von chronischer Unterernährung sind weltweit rund 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren zu klein für ihr Alter (sogenanntes "Stunting"). Brennpunkte sind Südasien und Afrika: Gut die Hälfte der Mädchen und Jungen leben in südasiatischen Ländern, zwei von fünf in afrikanischen Staaten.
    • Eng mit Armut verbunden ist auch die Kinderarbeit, die eine Folge fehlender sozialer Absicherung ist. Kinder müssen arbeiten, um zum Lebensunterhalt ihrer Familie beizutragen – ein Teufelskreis, denn Kinderarbeit statt Schulbildung führt wieder zu mehr Armut. Im Jahr 2024 arbeiteten weltweit etwa 138 Millionen Kinder, so schätzen die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF, davon fast zwei Drittel (rund 87 Millionen) in Subsahara-Afrika. Obwohl der Anteil der Kinder in Kinderarbeit dort leicht von 24 auf 22 Prozent sank, blieb die absolute Zahl aufgrund von Bevölkerungswachstum, Armut und Krisen konstant – Subsahara-Afrika trägt somit weiterhin die Hauptlast der weltweiten Kinderarbeit.

 

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Was sind die Ursachen der Armut in Afrika?

Die extreme Armut in Afrika hat viele Gründe, die zum Teil eng miteinander verknüpft sind. Zu den wichtigsten strukturellen Ursachen gehören:

Kolonialismus und die Folgen

Versklavung, Ausbeutung, gewaltsame Fremdherrschaft bis hin zum Völkermord: Viele afrikanische Staaten leiden bis heute unter den Spätfolgen von Sklavenhandel, Kolonialismus und Imperialismus. Die europäischen Kolonialmächte - Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Portugal, Belgien, Italien und Spanien – zerstörten lokale Gemeinschaften mit ihren politischen und wirtschaftlichen Strukturen, unterdrückten kulturelle Identitäten  und bereiteten durch willkürlich gezogene Grenzen den Nährboden für spätere Konflikte.

Auch mit der Erlangung staatlicher Souveränität in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Fremdbestimmung aufgrund fortbestehender wirtschaftlicher Abhängigkeiten und politischer Interventionen nicht: Wie schon in der Kolonialzeit sicherten sich die ehemaligen Kolonialmächte den Zugang zu den Rohstoffen und Absatzmärkten des Kontinents. Kwame Nkrumah, erster Präsident Ghanas, prägte deshalb den Begriff des Neokolonialismus.

Während des kalten Kriegs wurde die Dekolonisierung Afrikas durch den Machtkampf zwischen den USA und der Sowjetunion begleitet. Der Bürgerkrieg in Angola (1975–2002) ist ein Beispiel: Er gilt als einer der letzten und verheerendsten Stellvertreterkriege mit bis zu einer halben Million Toten. Und Äthiopien – das einzige afrikanische Land, das sich erfolgreich gegen die Kolonisierung verteidigt hatte – versank nach einem prosowjetischen Militärputsch im Jahr 1974 im Bürgerkrieg. Weil das sozialistische Regime Hunger als Waffe einsetzte, aber auch wegen der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft führte die extreme Dürre in den Jahren 1984 und 1985 zu einer Hungersnot, die Schätzungen zufolge zwischen 500.000 bis einer Million Menschen das Leben kostete.

In der postkolonialen Debatte wird auch die westliche Entwicklungshilfe als paternalistisch kritisiert, da Hilfeleistungen oft an Bedingungen geknüpft seien, die eher den Interessen der Geberländer dienten, als die strukturellen Probleme der Empfängerländer anzugehen. Der Einfluss multinationaler Unternehmen und internationaler Finanzinstitutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und der Weltbank wird ebenfalls als neokolonial bewertet. Das gleiche gilt für Russlands antiwestliche Machtpolitik in der Zentralafrikanischen Republik oder den Putschstaaten im Sahel sowie Chinas wirtschaftliches Engagement auf dem Kontinent – vor allem US-amerikanische Stimmen warnen, Afrika tappe nun in eine chinesische Schuldenfalle. 

Die postkoloniale Kritik ist komplex und kontrovers, doch Tatsache ist: Von der kolonialen "Drainage"-Ökonomie hin zu breitaufgestellten, untereinander vernetzten Volkswirtschaften mit nachhaltigem Wachstum führen weite Wege – und die einzelnen Nationen Afrikas haben ihren Weg unterschiedlich erfolgreich beschritten. Insgesamt lässt sich sagen: Die meisten afrikanische Staaten exportieren weiterhin vor allem unverarbeitete Rohstoffe und importieren verarbeitete Güter. Die Profite aus dieser internationalen Wertschöpfungskette fielen und fallen dabei vor allem im globalen Norden an.

Um in ihre Infrastruktur und heimische Industrien investieren zu können, haben afrikanische Staaten auf den internationalen Finanzmärkten hohe Kredite aufgenommen. Die Folge: Die starke Abhängigkeit vom Welthandel und stark schwankenden Rohstoffpreisen sowie drückende Schulden machen viele afrikanische Volkswirtschaften besonders krisenanfällig.

Armutsbekämpfung (SDG 1) ist eines der wichtigsten UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Überschuldung

Viele der ärmsten Länder der Welt werden von ihrer wachsenden Schuldenlast zunehmend erdrückt. Die gesamten Auslandsschulden der Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind auf ein Rekordhoch von 8,9 Billionen US-Dollar geklettert, so der International Debt Report 2025 der Weltbank. 

Für zahlreiche afrikanische Staaten bedeutet das: Sie sind gezwungen, immer mehr Geld für Zinsen auszugeben, statt in wichtige Bereiche wie Gesundheit oder Bildung zu investieren. Hohe Zinsen und schwaches Wirtschaftswachstum lassen vielen Regierungen kaum noch Spielraum, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Die Überschuldung bremst so Entwicklung und verschärft die Armut, gerade auch in vielen Staaten Subsahara-Afrikas.

Ungerechte Handelsstrukturen

Reiche Länder schaffen ungerechte Handelsstrukturen, indem sie ihre Märkte durch hohe Agrarzölle abschirmen und die eigene Landwirtschaft stark subventionieren. Darunter leidet die Landwirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent und wird in ihrer Entwicklung ausgebremst. Die Regierungen der USA, der Länder Europas und anderer wohlhabender Staaten tragen mit dieser Politik also zur Armut in Afrika bei.

Mangelnder Zugang zu Bildung

Bildung ist der Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum und Armutsbekämpfung. Doch trotz steigender Einschulungsraten gehen weiterhin 118 Millionen afrikanische Kinder und Jugendliche nicht zur Schule – weltweit sind es  272 Millionen. Und nur 9 Prozent der Afrikaner:innen haben Zugang zu Hochschulbildung, womit der Kontinent insgesamt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 38 Prozent liegt.

Klimakrise

Obwohl Afrika nur knapp 4 Prozent zu den globalen CO₂-Emissionen beiträgt, ist der Kontinent besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Dürreperioden, Überschwemmungen und andere extreme Wetterereignisse stellen viele Gemeinschaften vor große Herausforderungen, verschärfen Armut und zwingen Menschen zur Migration
Laut einem UN-Bericht könnte der Klimawandel bis 2050 das Bruttoinlandsprodukt der Länder südlich der Sahara um weitere drei Prozent senken. Schon bis 2030, befürchten die Experten, werden bis zu 118 Millionen extrem arme Menschen in Afrika von Dürren, Überschwemmungen und extremer Hitze betroffen sein.

Klimasmarte Landwirtschaft: In Somalia und Somaliland bilden die SOS-Kinderdörfer Jugendliche in hydroponischer Pflanzenzucht aus, um ihnen ganzjährig Zugang zu frischen Nahrungsmitteln und langfristig eine sichere Einkommensquelle zu ermöglichen.

Unzureichende landwirtschaftliche Infrastruktur

Brunnen, Bewässerungssysteme, Lagermöglichkeiten, landwirtschaftliche Maschinen, Straßen zu den Märkten – in vielen Regionen Afrikas fehlt es in der Landwirtschaft sowohl an Infrastruktur als auch an Technologie. Die Produktivität ist daher gering. Gleichzeitig macht den Kleinbäuer:innen zunehmend der Klimawandel zu schaffen. 
Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Staaten Subsahara-Afrikas unterscheidet sich zwar gewaltig, insgesamt ist in der Region jedoch etwa die Hälfte der Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt. Daher ist Hilfe zur Selbsthilfe für Kleinbäuer:innen so wichtig im Kampf gegen die Armut.

Bevölkerungswachstum: Armutsrisiko oder Zukunftschance? 

In allen Ländern Subsahara-Afrikas ist die Geburtenrate in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen: zwischen 1970 und 2020 sank diese im Schnitt von fast 7 Kindern auf 4,56 Kinder pro Frau. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Regionen: In Kenia bringt eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 3,2 Kinder zur Welt, im Tschad dagegen sechs Kinder. Dennoch belegt der Trend einen eindeutigen wechselseitigen Zusammenhang: zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, Zugang zu Bildung und Empowerment von Mädchen und Frauen.  

Gleichzeitig bieten die jungen Bevölkerungen vieler afrikanischer Staaten großes volkswirtschaftliches Potenzial. Während etwa Europa oder auch China zunehmend altern, werden bis 2050 etwa 8 bis 11 Millionen junge Afrikaner:innen jedes Jahr in den Arbeitsmarkt eintreten. Die Weltbank spricht von einer "demografischen Dividende" – damit diese sich auszahlt, sind jedoch Investitionen in Bildung und die Schaffung von Arbeitsplätzen erforderlich. Hält die Wirtschaft mit dem Bevölkerungswachstum nicht mit, droht dies Entwicklungsfortschritte im Kampf gegen die Armut zu verlangsamen. Laut einer aktuellen Studie von UNICEF wird sich die Bevölkerung Afrikas bis zum Jahr 2050 auf zwei Milliarden Menschen verdoppeln. 

Kann die Welt die extreme Armut bis 2030 besiegen?

Die Beendigung der Armut in allen Ländern bis 2030 ist eines der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals - SDGs) der Vereinten Nationen. Doch aufgrund der Corona-Krise und ihren wirtschaftlichen Folgen ist die weltweite Armut erstmals seit zwanzig Jahren wieder angestiegen. Brennpunkte sind vor allem die Regionen Subsahara-Afrika und Südasien. Und die Uhr tickt: Wenn die Weltgemeinschaft ihre Anstrengungen nicht massiv verstärkt, dann werden bis 2030 immer noch 8,9 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut leben. Eine nachhaltige Lösung im Kampf gegen die Armut erfordert langfristige Investitionen in Bildung, Infrastruktur und faire wirtschaftliche Partnerschaften.

SOS-Kinderdörfer im Kampf gegen Armut in Afrika

Die SOS-Kinderdörfer in Afrika engagieren sich in 47 Ländern. In den 142 Kinderdörfern finden verwaiste und verlassene Kinder ein neues Zuhause. Mit ihren langfristigen Entwicklungsprojekten und durch humanitäre Soforthilfe kämpfen die SOS-Kinderdörfer seit dem Jahr 1970 gegen die Armut in Afrika. Insgesamt erreichen die SOS-Kinderdörfer in Afrika 6.549.100 Kinder, Jugendliche und Eltern.

Bildung ist der Schlüssel für ein selbstbestimmmtes Leben: Schulkinder in Swasiland - Foto: Mats Hvalsengen

Wie wir helfen:  

  • Familien stärken: Die SOS-Kinderdörfer fördern Eltern und Kinder, bevor ihre Familie auseinanderbricht. Unsere Familienstärkungsprogramme reichen von akuter Unterstützung  z. B. bei der Versorgung mit Lebensmitteln über psychologische Hilfe bis hin zu Fortbildung, Hilfe zur Selbsthilfe und Mikrokrediten.  

  • Bildung und Ausbildung: In unseren Kindergärten, Schulen und Ausbildungsprogrammen oder durch Unterstützung beim Schulgeld befähigen wir junge Menschen, sich aus der Armut zu befreien.

  • Kinderrechte: Wir machen uns weltweit für Kinderrechte stark und kämpfen gegen Kinderarbeit, Kinderehe und Diskriminierung. 

  • Gesundheitsvorsorge: Die SOS-Kinderdörfer betreiben medizinische Zentren, Geburtshilfekliniken sowie Programme der Gesundheitsvorsorge und -prävention in Ländern, in denen viele Menschen keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben.

  • Chancengleichheit: Wir stärken in unseren Programmen die Rechte von Mädchen und Frauen. Geschlechtergerechtigkeit ist eine entscheidende Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung – und damit auch für den Kampf gegen die Armut. 

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